DICHTERKREIS                 JAGDLYRIK

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Erinnerungen

Alfred Bruske

 

Es war als die Sonne im Wald versank,

da hört’ in der Ferne ich Hörnerklang.

Es klang herbei aus ferner Zeit,

als grüßten die Freunde, die noch so weit.

 

Wir saßen zusammen so manche Stunde,

der Becher kreiste in fröhlicher Runde.

Wir sangen die Lieder vom weißen Hirsch,

vom feinen Liebchen und heimlicher Pirsch.

 

Es hat uns immer hinaus getrieben,

so sind wir im Alter noch jung geblieben.

Wir alle trugen das grüne Kleid,

es war fürwahr eine glückliche Zeit.

 

 

Kleiner Wink

Oliver Theobald

 

Alleine wer die Natur

kennt, versteht und liebt,

so dass das Geißkitz fiept

und die Tauben schwätzen,

 

weiß die Rolle der Jäger

in Forst und Flur

als Richtungsfeger

hoch zu schätzen –

 

 

Waidmanns kleine Nachtmusik

André Knipp

 

Der Vogel ging schon schlafen,

als mich die Nacht umarmt.

Des Mondes Licht und Grillenharfen

durch Baum und Schatten noch getarnt.

Tausende Würmchen leuchten

im mitternächt‘gen Saal

und suchen sich zum Tanze

den Partner ihrer Wahl.

Das leise Lied der Sehnsucht,

sie spielen’s, ich hör‘ zu.

Wenn’s dämmert sind verloren

die Nachtmusik und du.

 

 

Saualarm

Hermann Knoblich

 

Was die Jäger derzeit eint

ist die Jagd auf einen Feind.

Und mit Hunden, Büchsen, Flinten

sieht man sie zum Maisfeld sprinten (hinken).

 

Saualarm tönt`s in der Runde

und so steht man Stund um Stunde,

bis der letzte Halm geknickt -

eine Sau ward nicht erblickt.

 

Rehe sprangen, Hasen, Füchse –

Doch kein Schwein erlag der Büchse.

Dumme Meldung von dem Drescher -

erst wenn Schnee liegt

dann wird’s besser.

 

 

Elsternjagd

Christian Knopf

 

Wenn Elstern Kühe wohin picken,

dann sind sie weiß wohin zu schicken.

Man hat es mit Gesetzeskraft

nun einmal wieder gut geschafft,

 

in Hessens Dörfern und Gewannen

die Jäger sonst wohin zu spannen,

nämlich vor irgendeinen Karr’n.

Ich kann nur sagen: So ein Schmarrn!

 

Man muss nicht einmal danach streben,

den Elsternabschuss frei zu geben.

Das Witzige ist ja dabei:

Die Elstern sind zurzeit eh frei

 

in Hessen. D’rum: Zum Schutz der Kühe -

man mache sich nicht diese Mühe

des Antrags (Türen eingerannt,

die offen stehen. Gut erkannt!).

 

Auch witzig: Gibt’s sonst viele Kläger –

auf einmal braucht man sie, die Jäger,

und wetten dass der Bauer lacht,

weil es ja (Toll!) Ein And’rer Macht*)

 

*) TEAM

 

 

Jagdkameradschaft

Ottokar G. E. Wagner

 

Was gibt es Schöneres beim Jagen

als jemand, der sich mit dir freut,

der aber auch an dunklen Tagen

für dich ein Seelentherapeut.

Das Größte ist im Jägerleben

ein echter Freund, der ohne Neid,

der, wenn gebraucht, hilfreich daneben,

dir schenkt ein Stück Besonnenheit.

Doch eines solltest du beachten:

Was für ihn gilt, gilt auch für dich!

Um Kameradschaft zu betrachten,

kommt erst das „Du“ und dann das „Ich“.

 

 

Gedanken zum Jagdhorn

Heribert Theis

 

Das Jagdhorn ist ein Instrument

das jeder Landesbürger kennt.

Aus seiner Bildung allgemein

wird diese Jagdhornkenntnis sein.

Doch weiß der Bürger nun konkret

wofür ein Jagdhorn wirklich steht?

Kennt er den wunderbaren Klang,

ob jemals an sein Ohr er drang?

Hat er die Schwingung je gespürt

die ihn in andre` Welten führt?

Hat er jemals auch empfunden

die unvergleichlichen Sekunden

die Jagdhorns Klänge ihm dann schenken,

die ihm vertreiben böses Denken?

Hat er die Andacht je genossen

dabei die Augen fest geschlossen?

Wohl kaum, so mein Gedankengang.

Weil dieser schöne Hörnerklang

zumeist nur Jägers Ohr erreicht,

was einer Minderwertung gleicht.

Das Horn sollt` jedermann erkennen,

und es beim Namen nennen können.

Es kann die große Brücke schlagen

auch zu denen die nicht jagen.

 

 

Fehlschuß

Erwin Schwemmer

 

Wenn alles, was wir schießen, fiele

Und jeder Schuß ein Treffer wär,

dann gäb‘s bald nicht mehr viele Ziele,

und Jäger gäb‘s dann auch nicht mehr...

Das Buch der Natur

Hans H. Milles

 

Es kann wohl nur von Schöpfer Hand

Geschrieben sein, solch edles Buch,

Oft liest der Mensch mit Unverstand,

Oft scheitert ’s am Versuch.

 

Das Leben findet tiefen Sinn

In Gottes Tieren, Wald und Flur,

Doch lesen muss des Herzens Stimm’

Im schönsten Buch, es heißt ’Natur’.

 

 

Dezember Ositz…

Ludwig Thoma

 

Da Kalenda zoagt Dezemba oh,

bis Weihnachtn, a Wocha noh.

Heit is wieda so a Dog,

wos übahapt ned hell wern mog.

 

Koit is, Nebeschwadn treibm,

Grund gnua, um im Warma z´bleim.

Aba i geh trotzdem aus,

setz me gern da Kältn aus.

 

I gib ma heid a boor Stund frei,

und her in mei Gemütslebm nei.

Mia geht’s heit ned ums Wuid erleng,

heit is ma an mia seym wos gleng.

 

Tuat as Johr seym End zua geh,

mog i gern wissen, wo i steh!

War ois rechtens, wos i gmacht,

oda od a d´Bosheit glacht?

 

Hob es ghoitn, des „berühmte“ Wort,

war i de mein a sichra Hort?

Oda war ned olles recht,

war des gmachte a moi schlecht?

 

Woas ned warum, kos ned erklärn -

doch wenns am Dog scho Nacht tuat wern

und i hock draus em Nebedunst,

dann bin i ehrlicha wia sunst.

 

Gsteh mir Fehla schneia ei,

sprich mi aba doch ned frei…

Nimm ma Zeit zum übaleng

und frog me dann „…an wos is gleng?“

 

Koide Füaß und klamme Finga

dern mi na zum hoamgeh zwinga.

Koan Anblick ghabt, so wos tuats gebm,

ois Jaga konnst mit sowos lebm…

 

… koa frischa Bruch auf meinem Huat,

aba meina Seel geht’s guat.

De Wintanacht is wia ah Bruck,

i geh voi innerm Frieden zruck.

 

 

Maiansitz

Peter Wilz

 

Abend senkt sich übers Land.

Hier bei mir am Waldesrand

kehrt nun Ruhe ein.

 

Wind weht sacht das Gräsermeer.

Vögel singen rings umher.

Zu Ende geht der Mai.

 

Zwei Lauscher  spielen in Gräserspitzen,

dazwischen keine Stangen aufblitzen.

 

Das ist die alte Geiß.

 

Auch neben ihr sich Halme regen,

das kommt bestimmt vom Muttersegen,

sie führt der Kitze drei!

 

Die Dämmerung deckt alles zu.

Ich schleiche mich davon im Nu,

der beinah´ volle Mond schaut zu.

 

 

Glühwürmchen flimmre

Walter Heil

 

Sternchen schweben durch die Luft
blinken Sex-Signale
im Brachmond Amor leise ruft
zum Liebesspiel-Finale.

Sie alle tanzen einen Reigen
ziehen eine leuchtend Bahn
wollen so der Liebsten zeigen
wie sehr sie ihrer angetan.

Lautlos ist der Hochzeitstanz
dieser kleinen Kerfe
unwirklich der kalte Glanz
aus ihrer Leuchtkonserve.

Wer dieses Schauspiel je geseh’n
in lauer Juninacht
wird ein wenig mehr versteh’n
was die Natur vollbracht.

 

 

Die Zeit steht still

Marcel Notter

 

Nach sternenklarer Nacht

Der Tag ganz sanft erwacht

Die Zeit steht still in dieser Szene

Der Schatten flieht von meiner Seele.

 

Mein Sohn Tim schläft still bei mir

Am Ansitz morgens kurz nach vier

Ein Fuchs schnürt sachte, nah vorbei

Der Büchse ist das - einerlei.

 

Nun ist der Fuchs schon ganz weit fort

Die Jagd ist doch ein Zauberwort

Die Zeit steht still in dieser Szene

Der Schatten flieht von meiner Seele.

 

 

Aus grünem Handbuch

Marlene Schenck

 

Wem‘s nicht gelingt auch nur einmal

das Schießen sein zu lassen,

wird nie im rechten Augenblick

das Herz der Jagd erfassen.

 

Gelegenheit macht Jäger nicht

und nicht die Jagdtrophäe,

nur Waidgerechtigkeit erweist

dem Wild die rechte Ehre.

 

 

„Reh tot“

Stefan Renner

 

Hetzfährte

Fluchtfährte

Hetzlaut

Klagelaut

Trägerbiss

Hunderiss

 

Mein Hund? Nie!

Betrachtungen über das Jagdgericht

Johann Denden

 

Vorwort

 

Ein Jagdgericht verhängt mit Freud und Muße

Keine Strafe sondern Buße.

Daher gehört nicht jeder Fall vor ein Jagdgericht.

Jagdrechtlich gravierendes Fehlverhalten fraglos nicht.

Wenn sich jemand indiskutabel verhält,

wird das vom Jagdleiter sofort klargestellt.

Man darf nicht warten bis ‘was passiert

und aus einer Gefahr ein Unfall resultiert!

 

Besonders sicherheitsgefährdende Situationen,

sollte man nicht durch Wegschauen belohnen.

Man darf nicht warten bis' was passiert

und aus einer Gefahr ein Unfall resultiert!

Ich nehme Sie mit auf eine kleine Exkursion

zu jener sagenumwobenen Institution,

die unermüdlich des Jägers frevelhaftes Tun ergründet

und unergründlich Recht verkündet.

 

Amtssprache Jägerlatein

 

An einem Jagdgericht sollte man Freude haben,

das erzieherische Ziel darf der Spaß aber nicht untergraben!

Ein Jagdgericht dient weit und breit

dem Schutz der Weidgerechtigkeit.

Besonders das Brauchtum soll es pflegen,

dass es bleibt auf rechten Wegen.

Ein weises Urteil soll das Weidwerk ehren

und unweidmännische Jäger eines Besseren belehren.

 

Wird gegen einen Jäger eine Anklage erhoben

gilt der eherne Grundsatz: „Es wird niemals gelogen.“

Lügen gibt's ausschließlich vor einem ordentlichen Gericht.

Vor einem Jagdgericht natürlich nicht.

Allenfalls wird mit grünem Humor ein Hauch übertrieben;

kaum merklich, aber gescheit und durchtrieben.

Da Dichtung und Wahrheit eng beieinander liegen,

merkt man kaum, wie sich die Balken biegen.

 

Spätestens nach der intensiven Befragung der Zeugen

hat sich ein Delinquent der bitteren Wahrheit zu beugen,

oder dem, was das Jagdgericht dafür hält,

denn es gibt unterschiedliche Perspektiven in der jagdlichen Welt.

Besonders vor einem Jagdgericht

gibt es die eine Wahrheit nicht.

Unter den vielen Sichtweisen der Jägerwelt

sucht sich ohnedies jeder aus, was ihm gefällt.

 

Die eine Sichtweise betrachtet alles über Kimme und Korn,

die anderen schauen von der Seite, von hinten oder von vorn.

Ein Jagdgericht, das sollte man loben,

betrachtet's Geschehen grundsätzlich von oben.

Werden Trug und Wahrheit buntschillernd ausgemalt,

die Sache in einem neuen Lichte erstrahlt:

Eine gelungene Mischung mit der Jägersprache, deftig und fein,

nennt man landläufig Jägerlatein.

 

 

 

Jägerlatein ist die einzige Sprache, die man hier versteht,

sonst wird einem das Wort im Munde verdreht.

Und mit Fakten braucht man hier nicht zu kommen!

Die werden gar nicht erst wahrgenommen.

Also vergesst vor Gericht die lausigen Fakten

und legt sie getrost zu den staubigen Akten.

Denn das Urteil ist schon längst beschlossen,

eh' des Beklagten Wort geflossen.

 

Glaubt nun dieser vor dem Jagdgericht

enttäusche Justitia einen nicht,

so wird er belehrt, man könne selbst göttlichen Frauen,

wie Justitia nicht einfach blindlings vertrauen.

Sie und Diana sind höchst launische Gestalten,

die mit ihrer Gunst nach gut dünken walten.

Mal verschenken sie Jagdglück oder Gerechtigkeit,

mal bringen sie Pech, als wär's eine Nichtigkeit.

 

Also ist der Beklagte gut beraten,

alles zuzugeben, besonders seine Freveltaten

und jägerlateinisierend der Faktenhuberei zu frönen,

um Justitia zu versöhnen.

Werden inbrünstig strafmindernde Umstände dargelegt,

wird manch Gericht dazu bewegt,

ein reumütiges Geständnis zu akzeptieren

und das Strafmaß rigoros zu reduzieren.

 

Bei der Urteilsfindung gibt es kein Raten!

Ein guter Richter kennt alle jagdlichen Missetaten.

Das Register der Bußen ist exorbitant

und bietet für jedes Delikt allerhand.

Wohlgeordnet in einer gleitenden Skala von Schuld

findet er mit ein wenig Geduld

alle Delikte, vom geringsten Irrtum bis zur monströsesten Vorsatztat,

die jagdjuristisch allerschwerste Folgen hat.

 

Je nach Verstoß oder Fehlverhalten

kann ein Richter schalten und walten

und zu aller Jäger Vergnügen

belehren, rüffeln oder rügen,

kann schelten, tadeln und verwarnen,

sich missbilligend äußern oder ermahnen.

Doch kann ein Jagdgericht auch loben und preisen

und auf vorbildliches Verhalten verweisen.

 

Nachwort

 

Zusammenfassend lässt sich sagen,

an einem Jagdgericht kann man Freude haben!

Wenn umsichtige Richter angemessen ihres Amtes walten,

werden sie die Sitzung zu einem Erlebnis für alle gestalten.

Vor allem sollten sie jene mahnen, die meinen,

Jagd, Brauchtum und Benehmen seien nicht zu vereinen.

Es würde ein jämmerliches Jägerleben sein,

gäbe es weder Jagdgerichte noch ihre Amtssprache.